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Sonntag, 29. Juli 2007
Freitag, 13. Juli 2007
Islamismus in Südasien XX
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Der islamische „Fundamentalismus“ als Konstruktion indigener Modernität II
Aus systemtheoretischer Perspektive
In der Region ist ein vielfältiger islamischer Diskurs und keine einheitliche, Länder- und Regionen übergreifende „islamische Gemeinschaft“ zu konstatieren. Die Muslime Südasiens repräsentieren eine Vielzahl sozialer Identitäten, die oftmals wichtiger sind als ihre religiösen Affinitäten. Dennoch werden zunehmend innergesellschaftliche Konflikte religiös artikuliert.
Ein Vergleich zeigt nahezu eine Versechsfachung der Todesopfer kommunalistischer Gewalt zwischen den 60er (1185) und 80er Jahren (7000) des letzten Jahrhunderts (vgl. Jaffrelot, 1996, S. 101). Aus muslimischer Perspektive scheinen hier vier Faktoren maßgebend für die strukturelle Frontstellung zwischen den ethnischen Gruppen zu sein. Erstens die uneinheitliche öffentliche Selbstdarstellung wie sie am Beispiel der Nadwat al-`Ulamâ deutlich wird (Harmonisierungs- und Integrations-bemühungen sowie gleichzeitige Sympathiebekundungen für die Islamisierungsversuche in Pakistan). Zum Zweiten ist die exterritoriale Loyalität gegenüber muslimischen Staaten zu nennen, sowie drittens der durch „Hindu-Nationalisten“ ausgeübte Druck und viertens die Konjunktur utopistischer Erklärungen, den durch die extreme Armut der moslemischen Gemeinde Vorschub geleistet wird.
Das Schaubild zeigt den „systemtheoretischen Kreislauf“. Die Islamisten sind hier die Outputs aus den moslemischen Gesellschaften. Sie wirken auf die Nationalstaaten und diese sowie die vielschichtige islamische Öffentlichkeit und die externen Faktoren wiederum auf die Gesellschaften.
Der Islamismus ist letztlich eine Antwort auf den Entkolonialisierungsprozess. In Verbindung mit der Heterogenität und der geopolitischen Situation der Muslime in dieser Region ist er unter anderem der Versuch, die zwingend notwendige jeweilige Konstituierung der Gemeinschaften zu fördern. Dies zeigt sich exemplarisch am Versuch, mittels „code- oder Identity-switching“ Breitenwirkung zu erzielen. Die veränderte Auslegung des Islam, die an theologischen Maßstäben gemessen eher oberflächlich bleibt, stellt sich als Lösungsansatz für die Schwierigkeiten der Muslime in Südasien dar. Malik drückt dies in seinem Fazit so aus:
„Dem Slogan islamiser la modernité zum Trotz wird die eigene, islamische Tradition modernisiert, denn die vorgestellte islamische Gemeinschaft soll mit westlichen Errungenschaften – im technischen und im ideologischen Bereich – konkurrieren und übereinstimmen“ (Malik, 1998, S. 305).
In einem Umfeld mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen für die muslimischen Gruppen in den einzelnen Nationalstaaten, kann kein einheitlicher Islamismus entstehen. Schon der Zwang die Existenz der eigenen Strömung zu rechtfertigen, der dieser Rollenkonstellation inne wohnt, erzeugt eine Dynamik der die Deutung der Phänomene als „Modernisierungsblockade“ nicht gerecht wird. Die Biographien der Führungspersönlichkeiten zeigen, dass eine Grundlage für ihre Arbeit in dem Bewusstsein zur Veränderung der sozioökonomischen Ausgangssituation zu finden ist. Die Islamisierung ist viel weniger eine religiös-normative Rückverlagerung aus Angst vor einer fortschreitenden Säkularisierung, als der Versuch aus der passiven Rolle auszubrechen und mittels religiöser Homogenisierung der „eigenen Gruppe“ gesellschaftspolitische Handlungsfähigkeit zu erlangen.
Über die Effizienz der Strategien kann an dieser Stelle nicht aussagekräftig geurteilt werden, jedoch weist das Spannungsfeld aus Rückverlagerung auf die islamische Identität und der Übernahme kolonialer Neuerungen bereits auf Glaubwürdigkeitsdefizite hin. Die Existenz des Staates Pakistan und die damit verbundene dauerhafte „Exitoption“ und der „hindunationalistische“ Druck, zwingen die Islamisten in Indien zur verstärkten Homogenisierung und damit Islamisierung, während die Rollenkonstellation als Minderheit eine säkulare Haltung erfordert. Wenn ein Spagat zwischen diesen beiden, dem System grundsätzlich inne wohnenden Komponenten gelingt, wird es für die Islamisten möglich, „einen Platz im modernen Indien“ zu finden und eine produktive Rolle als Vertreter ihrer Interessengruppe zu spielen. Der Islamismus könnte dann als Bindeglied zwischen Indien und Pakistan fungieren und vielleicht auch zur Lösung der Kaschmirfrage beitragen.
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Alexander Hinz
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11:24 AM
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Labels: Islamismus in Südasien
Sonntag, 8. Juli 2007
International Crisis Group: Regeln zur Nutzung
Eine Mitarbeiterin des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) hat ein interessantes Papier mit Tipps für die Nutzung der Informationen und Unterlagen der ICG veröffentlicht. Sie verweist zu Recht auf die zu häufig zu "unkritische" Nutzung.
Hier ein Auszug:
"Die International Crisis Group (ICG) betreibt Politikberatung mit dem Ziel, gewaltsame Konflikte zu verhindern oder zu lösen. Krisenbeobachtung hat angesichts des facettenreichen Engagements der internationalen Gemeinschaft im weltweiten Konfliktmanagement sowie der Betonung der internationalen Dimension nationaler Sicherheitsbelange Hochkonjunktur. ICG-Berichte – wie jüngst zu den fragilen Friedensprozessen im Kosovo und in Darfur – sind deshalb ein gefragtes Gut. Im März 2007 wurde auch deutsche Politik zum Gegenstand eines ICG-Berichts im Schwerpunktbereich Islamismus, Gewalt und
Reform.
Analyse:
Die ICG ist international zu einer der wichtigsten Informationsquellen über das weltweite Konfliktgeschehen avanciert. Ihre zeit- und geschehensnahen Analysen werden von politischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und Medienvertretern gleichermaßen genutzt und geschätzt. Allerdings besteht eine erstaunliche Tendenz zur unkritischen
Verwendung von ICG-Berichten.
Folgendes sollte diesbezüglich bedacht werden:
1.) Bereits durch die Auswahl der als wichtig herausgestellten Themen beeinflusst die ICG die internationale Wahrnehmung eines Konfliktes und damit eventuell das Agenda-Setting.
2.) Bei der Beurteilung des Politisierungsgrades von ICG-Berichten lohnt es sich zu unterscheiden zwischen den meist solide recherchierten Analysen einerseits sowie den politischen Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen andererseits.
3.) Die ICG ist Teil eines „Beratungsmarktes“. Auch als Non-Profit-Unternehmen konkurriert sie mit ähnlichen Interessengruppen um staatliche und nichtstaatliche Mittel und verwaltet hohe Summen, die zur Heranbildung institutioneller Eigeninteressen beitragen.
4.) Die ICG befasst sich mit politischer Symptombekämpfung, indem sie zeitnah Informationen und Handlungsempfehlungen zu akuten Krisen bereitstellt. Nachhaltiger Ursachenbekämpfung und politischen Visionen dagegen gilt nicht ihr Hauptaugenmerk, sie sollten deswegen aber von anderen Akteuren nicht aus den Augen verloren
werden."
Das gesamte Papier finden Sie hier: Gebrauchshinweise zur ICG.
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Alexander Hinz
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12:45 PM
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Labels: Islamismus Weltweit
Donnerstag, 5. Juli 2007
Islamismus in Südasien XIX
Der islamische „Fundamentalismus“ als Konstruktion indigener Modernität
Prozess gegenseitiger Wechselwirkungen
Die führenden Persönlichkeiten der verschiedenen „fundamentalistischen“ Gruppierungen sind Grenzgänger zwischen den Milieus und entstammen Berufssparten die in das (post-)koloniale System eingebunden sind (Facharbeiter, Studenten etc.). Diesem Umstand ist ein Spannungsfeld aus Rückverlagerung auf die islamische Identität und der Übernahme kolonialer Neuerungen zu entnehmen. Der Islam dient ihnen als Reservoir gesellschaftlicher und kultureller Erfahrungen und als weitere gemeinsame Bezugsgröße. Sie begreifen sich selbst als islamische Avantgardisten und befinden sich in einem normativen Dilemma zwischen Moderne und Tradition.

Das Schaubild zeigt die Struktur, in der die Gruppierungen aktiv sind. Abûl Hasan `Alî Nadwî gehört neben dem Rat der Islamgelehrten auch internationalen islamischen Organisationen an. In seiner Arbeit ist er an diese rückgekoppelt, nicht zuletzt auf Grund finanzieller Abhängigkeiten. Er muss jedoch gleichzeitig auf die Bedürfnisse der indischen Muslime eingehen. Dies zeigt sich beispielsweise in seiner Neigung zur Mystik und Heiligenverehrung, die von der „Islamischen Weltliga“ aber strikt abgelehnt wird (vgl. Malik, 1996, S. 171).
Die führenden islamischen „Fundamentalisten“ übernehmen dem kolonialen Sektor entstammende Begriffe und Konstruktionen und formen diese zu einem Teil der eigenen „islamischen Entstehungsgeschichte“ um.
„Islamische Begriffe wie sunna, dastûr, shûra etc. werden aus dem religiösen Kontext gelöst und erhalten einen neuen ideologischen Stellenwert, wie etwa Parlament, Verfassung, ohne dabei auf ihre islamische Identität verzichten zu müssen. Parteiwesen, Nationalstaat und Verfassung werden als schon immer islamisch interpretiert“(Malik, 1998, S. 302).
So gelingt es ihnen die „fremden“ Errungenschaften innerhalb der eigenen Bedeutungslehre für gesetzmäßig zu erklären. Der politische Islam stellt dabei den Referenzrahmen für die gesellschaftliche Realisierung ihrer Vorstellungen innerhalb der Nationalstaaten dar. Dieser befindet sich in einer dauerhaften Interaktion mit den verschiedenen gesellschaftlichen Realitäten und kulturellen Identitäten in einem pluralistischen Umfeld. Somit zeigen sich die „Fundamentalisten“ als eine Gruppe, die die Idee einer Wiederkehr des Islams nutzen müssen, um ihre gesellschaftlichen Räume gegenüber anderen Akteuren abzugrenzen. Aus diesen Gründen erscheint der Begriff „Islamismus“ der Beschreibung des Phänomens dienlicher zu sein, als eine Einordnung in „islamischer Fundamentalismus“. Diese birgt die Gefahr den Gruppen, bereits implizit eine an den „Fundamenten“ der Religion orientierte in sich festgefahrene Rückverlagerung („Modernisierungsblockade“) zu unterstellen.
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Alexander Hinz
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5:40 PM
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Mittwoch, 4. Juli 2007
Amtsblatt der EU mit Liste der gesuchten Terroristen
IN ANWENDUNG VON TITEL V DES
EU-VERTRAGS ERLASSENE RECHTSAKTE
GEMEINSAMER STANDPUNKT 2007/448/GASP DES RATES
vom 28. Juni 2007 zur Aktualisierung des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931/GASP über die Anwendung besonderer Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus und zur Aufhebung der Gemeinsamen Standpunkte 2006/380/GASP und 2006/1011/GASP.
Die Europäische Union hat im Rahmen der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik einen Standpunkt zur Bekämpfung des Terrorismus erarbeitet. Dieser beinhaltet eine Liste mit Personen, Vereinigungen und Körperschaften.
Ein Großteil der Namen kann dem "islamistischen" Umfeld zugeordnet werden. Hierbei sei anzumerken, dass der Islamismus nicht per se radikal noch gewaltbereit ist. Wie der Hintergrund die Straftaten der aufgeführten Personen zu bewerten ist, ist in jedem Fall einzeln zu überprüfen und zu werten.
Amtsblatt der EU mit Liste der Personen für die der Gemeinsame Standpunkt 2001/931/GASP gilt.
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Alexander Hinz
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1:33 PM
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