International Crisis Group: Regeln zur Nutzung
Eine Mitarbeiterin des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) hat ein interessantes Papier mit Tipps für die Nutzung der Informationen und Unterlagen der ICG veröffentlicht. Sie verweist zu Recht auf die zu häufig zu "unkritische" Nutzung.
Hier ein Auszug:
"Die International Crisis Group (ICG) betreibt Politikberatung mit dem Ziel, gewaltsame Konflikte zu verhindern oder zu lösen. Krisenbeobachtung hat angesichts des facettenreichen Engagements der internationalen Gemeinschaft im weltweiten Konfliktmanagement sowie der Betonung der internationalen Dimension nationaler Sicherheitsbelange Hochkonjunktur. ICG-Berichte – wie jüngst zu den fragilen Friedensprozessen im Kosovo und in Darfur – sind deshalb ein gefragtes Gut. Im März 2007 wurde auch deutsche Politik zum Gegenstand eines ICG-Berichts im Schwerpunktbereich Islamismus, Gewalt und
Reform.
Analyse:
Die ICG ist international zu einer der wichtigsten Informationsquellen über das weltweite Konfliktgeschehen avanciert. Ihre zeit- und geschehensnahen Analysen werden von politischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und Medienvertretern gleichermaßen genutzt und geschätzt. Allerdings besteht eine erstaunliche Tendenz zur unkritischen
Verwendung von ICG-Berichten.
Folgendes sollte diesbezüglich bedacht werden:
1.) Bereits durch die Auswahl der als wichtig herausgestellten Themen beeinflusst die ICG die internationale Wahrnehmung eines Konfliktes und damit eventuell das Agenda-Setting.
2.) Bei der Beurteilung des Politisierungsgrades von ICG-Berichten lohnt es sich zu unterscheiden zwischen den meist solide recherchierten Analysen einerseits sowie den politischen Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen andererseits.
3.) Die ICG ist Teil eines „Beratungsmarktes“. Auch als Non-Profit-Unternehmen konkurriert sie mit ähnlichen Interessengruppen um staatliche und nichtstaatliche Mittel und verwaltet hohe Summen, die zur Heranbildung institutioneller Eigeninteressen beitragen.
4.) Die ICG befasst sich mit politischer Symptombekämpfung, indem sie zeitnah Informationen und Handlungsempfehlungen zu akuten Krisen bereitstellt. Nachhaltiger Ursachenbekämpfung und politischen Visionen dagegen gilt nicht ihr Hauptaugenmerk, sie sollten deswegen aber von anderen Akteuren nicht aus den Augen verloren
werden."
Das gesamte Papier finden Sie hier: Gebrauchshinweise zur ICG.
2 Kommentare:
So wichtig wie diese Kommentare auch sind Alex, so wenig neu sind sie. Denn es nichts, was speziell auf die ICG zutrifft, sondern allgemein auf alle politikberatende Organisationen. Die Nutzungshinweise ergeben sich direkt aus der Analyse bzw. sind eigentlich ein Bestandtteil von ihr. Sie treffen letzlich auch auf RAND, IISS, KAS, FES, Tönissteiner Kreis und wie sie alle heißen zu (ja, auch GIGA!).
Es liegt ja in der Logik der Politikberatung, dass sie für einen Kunden gemacht ist. Im Idealfall bebekommt der Kunde Handlungsempfehlungen, die Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse sind. Es gibt aber nun mal keine objektive "Auftragforschung". Insofern eignen sich Papiere solcher Organisationen nur bedingt für die Einbringung in den wissenschaftlichen Diskurs. Aber dafür werden sie auch nicht erstellt.
Lieber Michael,
das hast Du sicherlich recht. Was mir an dem GIGA-Papier gefällt, ist das es auf einige ziemlich simple Nuancen hinweist. Der Unterschied zwischen ICG und den anderen ist, dass alle sich gerne auf die ICG beziehen. Bei der Untersuchung der Fundamentalismen ín Indien und Pakistan, bin ich auf 10 Zitierungen gestoßen - bezüglich der Mitgliederzahlen der Tablighi Jamaat. Alle zitieren einfach die ICG. Die ICG gibt nicht an woher sie die Zahlen hat.
Vereinfacht gesagt weiss niemand wieviele Mitglieder es gibt und wie die Mitgliederstruktur genau aussieht. Im letzten Jahr in London war ich auf einem Tablighi- Vortrag. Die operierten überraschender Weise mit ganz anderern Zahlen!
Die Papiere der ICG werden nicht für den wissenschaftlichen Diskurs gemacht, aber mangels Alternative dafür flächendeckend genutzt. So schafft man auch WISSEN.
Kommentar veröffentlichen