Für das neue Forschungsprojekt "Islamic Finance" ist auf Grund der Vielfalt des Themas ein eigenes Online Journal entstanden.

Dieses finden Sie hier: "ISLAMIC FINANCE".

Sonntag, 24. Juni 2007

Islamismus in Südasien XVII


Der „fundamentalistische“ Islam Südasiens in der Gegenwart II


Der „Nadwat al-`Ulamâ“

Der Sitz des Rates des Islamgelehrten ist Lucknow. Dort sind ca. 2.000 Schüler untergebracht, des Weiteren sind 60 religiöse Schulen mit 13.250 Schülern und 3.320 Lehrern angeschlossen. Seine Entstehung wurde, ebenso wie die der „Muslim-League“, von der britischen Kolonialverwaltung gefördert (vgl. Malik, 1996, S. 157). Im Rat versammelt sich die urbane Bildungselite die nicht zu den traditionellen Gelehrten gehört, sondern eher den islamischen Adel (ashraf) repräsentiert. Malik beschreibt die Strategie der Nadwat als „Solidaritätstraditionalismus“ der zur Harmonisierung und Reduzierung der dogmatischen theologischen Debatten führen und den Islam mit den kolonialen Neuerungen verbinden soll.

Diese Auslegung des Koran und ihre Verbreitung in eigenen Druckerzeugnissen untergräbt dabei die Autorität der traditionellen Würdenträger (vgl. Malik, 1996, S. 155). An der Position seines Vorsitzenden Abûl Hasan `Alî Nadwî zeigen sich die unterschiedlichen Zielhorizonte zwischen dem Rat und den „Jamaat-i-Islamî“. Nadwî gilt als indische Integrationsfigur mit über die Landesgrenzen hinausgehender Bedeutung, was sich auf seine Aktivitäten in vielen weiteren islamischen Organisationen zurückführen lässt (Islamische Weltliga, All-India Muslim Personal Law Board, etc). Er vertritt eine positive Einstellung zur Mystik und steht damit konträr zu der von Maulana Sayyid Abûl A`lâ Maudûdî gegründeten Gruppierung. Deren politisch gefärbten Islam fehlt in Nadwîs Vorstellung eine auf tiefgehende Liebe basierende Beziehung zu Gott.

„Die Beziehung zwischen Mensch und Gott sei hingegen nicht mit der zwischen Herrscher und Beherrschten vergleichbar; nein, die Unterwerfung unter Gottes Souveränität stelle nur einen kleinen Aspekt des Islam dar. Die Beziehung sei hingegen viel tiefer, liebevoller und süßer als die Beziehungen zwischen Herrscher und Beherrschtem – ja sie sei geradezu mystisch; genau diese Ebene der Liebe und Hingabe sei im Islam wichtig. Daher entspreche die pure Gleichstellung Gottes mit einem Herrscher nicht seiner Natur. Infolgedessen sei die Herstellung eines islamischen politischen Systems lediglich Hilfsmittel für die Liebe zu Gott“ (Malik, 1996, S. 161).