Für das neue Forschungsprojekt "Islamic Finance" ist auf Grund der Vielfalt des Themas ein eigenes Online Journal entstanden.

Dieses finden Sie hier: "ISLAMIC FINANCE".

Donnerstag, 31. Mai 2007

Islamismus in Südasien XIV


Die Bedeutung der Teilung für den islamischen
„Fundamentalismus“ II


Theoretische Grundlagen zur Pakistanfrage

Entlang der Frage der Teilung entsteht eine breite religiöse Grundsatzdebatte. In ihr kommt ein differenziertes Verständnis von der Rolle der Religion im Nationalstaat zum Ausdruck, dass auch für die heutigen islamischen „Fundamentalisten“ prägend ist.

Pro Separatismus: Iqbâl, Jinnâh (Muslim-League), Maudûdî

Der Dichter und Philosoph Muhammad Iqbâl tritt als einer der ersten Verfechter der Schaffung eines Staates für Muslime auf. Er spricht 1930 von einem:

„Consolidated North Western Muslim State“ (Malik, 1998, S. 300).

Unterstützt wird er hierbei von der “Muslim League” unter der Leitung von Muhammad `Alî Jinnâh. Widersprüchlich stellt sich hingegen die Position von Maulana Sayyid Abûl A`lâ Maudûdî dar. Der Autodidakt mit eigener Urdu-Zeitschrift beginnt den Diskurs zu islamisieren und gründet 1941 die „islamische Gemeinschaft“ „Jamaat-i-Islâmî“. Bis 1942 vertritt er jedoch einen Standpunkt der sich an den der Teilungsgegner anlehnt.

„Muslime stellten keine Nation dar, sondern die Partei Gottes, die als Agent auf Erden wirken sollte. Voraussetzung dafür sei eine weitreichende Katharsis und eine Verbreitung des „wahren“ Islam – in diesem Punkt entsprach er durchaus pietistischen Postulaten aus dem 18. Jahrhundert“ (Malik, 1998, S.300).

Ab 42`postuliert aber auch er das Konzept „hâkimiyat-e illâhî“, also die Souveränität Gottes auf Erden in einer universalen, ideologisch-islamischen Nation.

„Diese imaginierte Nation versuchte er ab 1947 in Pakistan verfassungsmäßig durchzusetzen, wohin er und der Großteil seiner Gemeinschaft nach der Teilung Indiens schließlich auswanderten. Seither hat seine „Gemeinschaft“ an Einfluß gewonnen, hauptsächlich unter jungen Intellektuellen in der Mittelschicht“ (Malik, 1998, S. 301).