Islamismus in Südasien VI
Analyse der historischen Ausgangsituation
(Hier erfolgt die Fortsetzung des Forschungsprojektes Islamismus in Südasien)
Der Sepoy-Aufstand
Die zunehmenden Unruhen in Indien führten schließlich zur Bildung einer konspirativen Bewegung unter den „Sepoys“, den von der britischen Ostindischen Kompanie angestellten indischen Truppen. Der von ihnen angeführte Aufstand, wird in der indischen Geschichtsschreibung als "Großer Indischer Aufstand" von 1857/58 bzw. als „Sepoy-Aufstand“ bezeichnet. Ausgelöst wurde er von einer spontanen Reaktion der Hindu- und Muslimtruppen, die sich gegen die Verwendung von Rind- bzw. Schweinefett in ihren Essensrationen gewehrt hatten (vgl. Encarta 99 Enzyklopädie, 1998). Die Kämpfe zogen sich bis Anfang 1859 hin, ab diesem Zeitpunkt erlangten die Briten die Kontrolle zurück. Dem Aufstand folgte eine Periode der Unterdrückung durch die britischen Truppen und zwar insbesondere in Delhi, wo Tausende ohne Gerichtsverhandlung getötet wurden. Eine Folge des Aufstands war die Verabschiedung des „Act for Better Government in India“ durch das britische Parlament (1858). Darin war vorgesehen, dass die Verwaltung Indiens von der Ostindischen Kompanie auf die britische Krone überging (vgl. Rothermund, 1989, S. 90).
Zeitgenössischer Eindruck des Sepoy-Aufstands mit britischer Perspektive - Die historische Darstellung zeigt indische Truppen, die ihre Beute nach dem Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft verteilen.
(Ebenfalls aus dem Quantara Beitrag - siehe Islamismus ind Südasien IV).
In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurde Indien von einer sozialen und politischen Aufbruchsstimmung erfasst. Die indische intellektuelle Elite, die teilweise im Westen studiert oder längerfristige Aufenthalte in der westlichen Welt absolviert hatte, versuchte verschiedene Aspekte der westlichen und der indischen Kultur zu verbinden. Während der Jahrzehnte nach dem Aufstand waren zahlreiche Vereinigungen entstanden, die sich zum Ziel gesetzt hatten, die britische Herrschaft zu beenden. Die einflussreichste dieser Vereinigungen war der 1885 gegründete Indische Nationalkongress (INC). Dieser förderte, von zahlreichen prominenten Hindus und Muslimen unterstützt, das politische Bewusstsein der Massen und beschleunigte den Trend zur nationalen Einigung (vgl. Rothermund, 1989, S.90).
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