Für das neue Forschungsprojekt "Islamic Finance" ist auf Grund der Vielfalt des Themas ein eigenes Online Journal entstanden.

Dieses finden Sie hier: "ISLAMIC FINANCE".

Dienstag, 20. März 2007

Islamismus in Südasien


Das erste Forschungsprojekt mit dem ich mich beschäftigen will lautet:


Islamischer „Fundamentalismus“ in Südasien: Entstehung, ideologische Grundlagen und Organisationsstruktur.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich diesbezüglich vom Fortschritt des Projektes berichten. Zunächst zur Ausgangsfragestellung:

Zu den Begriffen „Fundamentalismus“ und „Modernität“

Hier soll der islamische „Fundamentalismus“ in Südasien auf die Frage hin analysiert werden, ob er als Abkehr von der „Moderne“, politische Strategie oder Konstruktion indigener Modernität zu verstehen ist. Der Begriff „Fundamentalismus“ assoziiert in vielen Arbeiten einen strengen Islam, ist jedoch in seiner Entstehung aus der Betrachtung christlicher Gruppierungen hervorgegangen. Noch 1982 entnimmt man dem Duden Fremdwörterbuch zum Begriff „Fundamentalismus“:

„…eine streng bibelgläubige, theologische Richtung im Protestantismus in den U.S.A., die sich gegen Bibelkritik und moderne Naturwissenschaften wendet.“ (vgl. Duden Fremdwörterbuch, 1982).

Die Verortung verschiedenster Phänomene unter diesem Begriff setzt somit ein grundsätzliches Verständnis voraus. Die Analysekategorie „Fundamentalismus“ soll hier dem wörtlichen Sinn entsprechend als „Orientierung an den Fundamenten“ verstanden werden, für den Islam also an den ersten beiden Quellen der Religion, dem Koran und der „sunna“. Beide Quellen gelten als religiös-ethische Norm als auch als politische Ideologie.

Der Beantwortung der Fragestellung geht zudem ein bestimmtes Verständnis von Modernität voraus. Hier soll Modernität nicht als „Entwestlichung“ also Abkehr von Demokratie und Marktwirtschaft verstanden werden, sondern als effektive, politische Strategie oder religiöse Rückverlagerung mit gesellschaftlich stagnativen Tendenzen. Modernität umfasst dann die Prozesse und institutionellen Innovationen, die notwendig sind für die sozioökonomische und technische Entwicklung einer Gesellschaft.

These

Der islamische „Fundamentalismus“ in Südasien ist das Resultat des Abgrenzungsversuches vom dominanten kolonialen Sektor. Wie der Vergleich der verschiedenen Gruppierungen zeigt, kann nicht von einem einheitlichen islamischen „Fundamentalismus“ in der Region gesprochen werden. Die „Fundamentalismen“ sind hierbei als Prozess gegenseitiger Wechselwirkungen, dem eine dynamische dauerhafte Interaktion mit den verschiedenen gesellschaftlichen Realitäten zu Grunde liegt, zu verstehen. Die systemtheoretische Betrachtung wird uns zeigen, dass die zwiespältigen Positionen als Antworten auf die geopolitische Situation der muslimischen Gesellschaften in Südasien und damit eine Konstruktion indigener „Modernität“ zu werten sind.